Kirchen & Pfarrhaus

Dedelebener Kirchen und Pfarrhaus - Sankt Marien

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Lesen Sie auf diesen Seiten einige Ausführungen über unsere beiden Kirchen des Ortes - Sankt Marien & Sankt Johannis - sowie über das Dedelebener Pfarrhaus.

Ausführungen des früheren Pfarrers Bernhardt aus Dedeleben über die Kirche St. Marien

(Verfassungsdatum dieses Artikel leider unbekannt – ca. 80er/90er Jahre)

Liebe Besucher der Kirche St. Marien zu Dedeleben

Sankt Marien

Die Kirche besteht aus dem Kirchenschiff und dem Kirchenturm. Der Kirchenturm wurde im romanischen Stil erbaut. Dieser dicke, von Strebepfeilern gestützte Turm trägt ein schlankes, pyramidenförmiges Schieferdach. Einzigartig in dieser Gegend ist der Turmstumpf. Auf Grund von Beschädigungen im 18. Jahrhundert und den folgenden Ausbesserungen wurde, um Kosten zu sparen einfach ein Sockel um den Turm herum gebaut. Der Turm befindet sich, wie bei allen Kirchen auf der Westseite der Kirche. An dieser Stelle bietet sich auch ein Blick auf den Turm mit den Glocken und der Turmuhr an. Der Turm beherbergt seit 1895 in einem Verschlag unter der Glockenstube die von F. Weule in Bockenem gefertigte Turmuhr. Seit 1998 ziert diese neue Zifferblätter.

Bis zum Jahre 1917 hingen im Turm drei Bronzeglocken, deren Geläut in D-Moll erklang. Die beiden großen Glocken waren aus dem 19. Jahrhundert und die kleine Glocke aus dem Jahre 1409. Die beiden großen Glocken wurden im Jahre 1917 zu Kriegszwecken hergegeben. 1925 wurde das Geläut durch Gussstahlglocken ersetzt. 1941 wurde auch die kleine Glocke (1409) ein Opfer des Krieges.

Das Kirchenschiff weist in Richtung Osten und es wurde in gotischer Form erbaut. Um die Kirche herum befand sich früher ein Kirchhof (Friedhof). An den vereinzelt erhaltenen Grabsteinen ist dies noch gut zu erkennen. Der Eingang zur Martinikirche erfolgt durch das Südportal. Ein weiterer Eingang befindet sich hinter der Sakristei auf der Ostseite.

Wir betreten nun die Kirchenvorhalle. Auf der linken Seite sehen wir ein altes, ausgedientes Uhrwerk stehen. Dieses befand sich bis vor einigen Jahren im Glockenturm.

Unmittelbar vor dem Eingang zum Kircheninnern finden wir zwei Grabtafeln aus Sandstein. Bei der Aufnahme der alten Pflastersteine (1900) wurden diese im Altarraum freigelegt. Sie haben dort wohl schon über Jahrhunderte „versunken und vergessen“ unter dem Fußboden gelegen. Sie zeigen zum einen den Freiherrn Wolf von Wrampe (gestorben 1605). Einer der letzten Sprosse aus dem Geschlecht der Wrampe (Wrampestraße), das bis 1654 den schon verwaisten Freien Sattelhof in Groß-Dedeleben in Besitz hatte. Der zweite Grabstein zeigt die Nichte des Freiherrn Barbara von Hagenest, die 1593 im Alter von nur 16 Jahren starb. Beide Grabsteine haben durch die lange Lagerung im Erdboden sehr gelitten, sind aber sonst noch wohlerhalten.

Nun betreten wir den Kircheninnenraum. Unser Blick fällt auf den Altar und die Kanzel. Die Altarwand trennt die Sakristei vom Altarraum. Sie zeigt ausgeprägte Barockformen von malerischer, dekorativer Wirkung (1746). Auf der Altarwand befinden sich zwei Figuren, rechts Johannes der Täufer und links Jesus.

In die Altarwand wurde die Kanzel reingebaut. Über der Kanzel, auf dem Schalldeckel ist ebenfalls Jesus nachgebildet. Darüber befindet sich ein Ölgemälde, die Kreuzigung Christi darstellend. Eine Darstellung der Grablegung, in Öl gemalt, ist über dem Altar angebracht. Beide Gemälde sind in der Farbgebung gut, dagegen in der zeichnerischen Gestaltung wenig bedeutend. Das Thema dieses letzten Gemäldes ist etwas ungewöhnlich, da an dieser Stelle meistens eine Darstellung des Abendmahls zu sein pflegt. Vor dem Altar befindet sich eine Altarschranke, deren Abschluss jeweils ein Engel bildet. Diese beiden Engel tragen die Taufschale.

Interessant sind die vier großen Fenster im Altarraum mit ihrer schönen Glasmalerei (um 1900/Müller, Quedlinburg). Hierbei handelt es sich um Stiftungen hochherziger, der Kirche Wohlgesonnener Einwohner des Dorfes. Die Fenster zur Rechten, Jesus als guten Hirten und den Apostel Paulus, Vertreter des neuen Testaments darstellend, sind ein Geschenk der Witwe des Gutsbesitzers August Siehe. Vor den Fenstern steht ein Taufstein, dieser stammt aus der Zeit um 1900. Das eine Fenster zur Linken, eine Darstellung Johannes des Täufers und das vierte Fenster, welches Moses mit Gesetzestafeln zeigt, wurde Ostern 1912 von den Gutsbesitzern Theodor und Emil Schliephake zum Andenken an die Konfirmation ihrer Töchter gestiftet.

Zwischen diesen beiden Bildern, an der Nordwand der Kirche befindet sich eine Statue der Mutter Maria mit dem Jesuskind auf dem Arm. Diese mit viel Kunstverständnis restaurierte Skulptur ist der Rest eines ehemaligen Flügelaltars, es ist eine feine und sehr gute Arbeit.

Wenn wir uns nun umdrehen, fällt unser Blick auf die Empore mit der Orgel. Über die Geschichte der Orgel fehlen uns leider sämtliche Belegstücke. Diese sind bei dem großen Brand 1673, der fast das ganze Oberdorf in Asche legte, mit der Pfarre und sämtlichen darin befindlichen Aktenmaterial verbrannt. Aus dem Archiv der Huysburg geht hervor, dass 1570 die Familie von Wrampe eine Orgel vom Kloster Huysburg für die Marienkirche gekauft hat. Da das Werk sehr klein war, erfolgte ein Umbau bereits um 1572. Bei der Renovierung der Kirche (1900) kam dann auch die Orgel zu ihrem Recht. Orgelbaumeister Voigt aus Halberstadt fertigte eine großartige Orgel mit vielen Stimmen. 1937 wurde ein erneuter Umbau der Orgel notwendig. Die Orgelbauanstalt Rühlmann aus Zörbig wurde mit diesem Umbau beauftragt. Im Herbst 1938 wurde das Werk vollendet.

Der Ortsname Dedeleben wird 1114 erstmals erwähnt. Die 1633 beginnenden Kirchenbücher enthalten eine Fülle historischer Notizen. Insbesondere hat der auch als Schriftsteller bekannte Pfarrer Johann Christian Ludwig Niemeyer (1803 – 1856; Amtszeit in Dedeleben) ausführliche Aufzeichnungen im Kirchenbuch hinterlassen.

Ihr Pfarrer Bernhardt

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